Kurtelbeck (Folge 22)

Straßenschild Kurtelbeck

VerwaltungsbezirkBurglesum
Ortsteil Burgdamm
Postleitzahl28719
QuerstraßenAm Reuterplatz
Ihlestraße
Straßentyp Anliegerstraße,
Feldweg/Waldweg (Wirtschaftsweg)
Straßenlängerund 730 Meter

Der Straßenname „Kurtelbeck“ ist ein Spiegel regionaler Geschichte, landschaftlicher Prägung und sprachlicher Entwicklung. Die Herkunft des Namens und die Entwicklung des Gebiets zeigen die Besonderheiten der Bremer Grenzlage und die Identität der dort lebenden Menschen.

Der Bestandteil „Kurrel“ (bzw. „Kurtel“) ist ein Begriff aus dem Niederdeutschen, der in verschiedenen norddeutschen Dialekten vorkommt. Im Sprachgebrauch steht „Kurrel“ für etwas Kleines, Krummes oder Unregelmäßiges. Besonders in ländlichen Regionen wurde das Wort oft für sich wälzen und rollen, für krumme Zweige, kleine Wasserläufe oder verwinkelte Strukturen verwendet. In manchen Dialekten bezeichnet „Kurrel“ auch einen kleinen, gewundenen Bach.

Der zweite Bestandteil „Beck“ ist im norddeutschen Sprachraum die übliche Bezeichnung für einen Bach oder Wasserlauf. Das Wort stammt vom mittelniederdeutschen „beke“ und ist in vielen Orts‐ und Flurnamen zu finden, etwa „Weserbeeke“ oder „Schwanebeck“. Auch in anderen Regionen
Deutschlands gibt es ähnliche Formen wie „Bach“, „Beek“ oder „Beke“.

Die Kombination aus „Kurrel“ und „Beck“ ergibt somit einen Namen, der auf einen kleinen, krummen Bach verweist. Es ist wahrscheinlich, dass hier auf den Bachlauf der Ihle Bezug genommen wird, der dem Gebiet und später der Straße ihren
Namen gab. Die Ihle entspringt im Naturschutzgebiet Obere Ihleniederung, durchquert dieses und fließt anschließend südwestlich durch Ihlpohl, unterquert die Autobahnen A 27 und A 270 und erreicht das Bremer Gebiet. Dort verläuft sie zunächst durch ein enges Tal in Burgdamm, durch Lesum bis zur Mündung in den Lesum‐Fluss. Auf mehreren Teilabschnitten fließt der Geestbach unterirdisch und ist teilweise naturfern ausgebaut worden.

Flurnamen wie „Kurtelbeck“ sind oft Jahrhunderte alt und geben Hinweise auf die frühere Nutzung und Beschaffenheit der Landschaft. Sie wurden von Generation zu Generation weitergegeben und sind ein wichtiger Teil der regionalen Identität. In unserem Stadtteil finden sich zahlreiche Straßennamen, die auf alte Flurnamen oder natürliche Gegebenheiten zurückgehen.

Die Geschichte des Kurtelbeck ist eng mit der Entwicklung der Landesgrenzen zwischen Bremen und Niedersachsen verbunden. In den 1960er‐ und 1970er‐Jahren gab es Bestrebungen, die teils willkürlich gezogenen Landesgrenzen zu begradigen. Das niedersächsische Innenministerium schlug vor, unter anderem
das Gebiet Kurtelbeck bei Ihlpohl von Bremen nach Niedersachsen zu übertragen. Im Gegenzug sollten andere Flächen an Bremen fallen. Insgesamt waren rund 114 Hektar für Niedersachsen und 72 Hektar für Bremen im Gespräch, betroffen waren etwa 300 Einwohner.

Die Bremer Behörden zeigten jedoch wenig Interesse an einem solchen Gebietstausch. Besonders die Bewohner des Kurtelbeck setzten sich dafür ein, Bremer zu bleiben. Sie fürchteten längere Wege zu niedersächsischen Behörden und eine Neuordnung der Schulbezirke. Die Identifikation mit Bremen war stark ausgeprägt, wie der Satz „Die Bremer im Kurtelbeck sollen Bremer bleiben“ aus dem Weser‐Kurier von 1978 belegt.

Die Bewohner konnten sich letztlich durchsetzen: Bis heute gehört der Kurtelbeck zu Bremen. Das Kurtelbeck‐Gebiet umfasst etwa zehn Hektar und liegt im Norden Bremens, nahe der Landesgrenze zu Niedersachsen.

Der Straßenname „Kurtelbeck“ steht somit beispielhaft für die Verbindung von Landschaft, Sprache und auch Geschichte im Bremer Norden. Er erinnert an einen kleinen, gewundenen Bach und an die Eigenständigkeit der dort lebenden Menschen, die sich erfolgreich für ihre Zugehörigkeit zu Bremen eingesetzt haben. Die Geschichte des Kurtelbeck zeigt, wie sehr Straßennamen Teil der regionalen Identität sind und wie sie politische und gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegeln.

Volker Bulling

Quellen:

Weser‐Kurier Geschichte, vor 50 Jahren, Die Bremer im Kurtelbeck sollen Bremer bleiben, 04.09.2021, Felix Wendler, „Die Bremer im Kurtelbeck sollen Bremer bleiben“ ‐ WK | Geschichte, Abbildung 1

Porsch M (2000). Bremer Straßenlexikon, Band 11, Burglesum, Grohn. Bremen:
Verein Freizeit 2000 e.V.

Vgl. „Kurtelbeck“, Ausgabe von M365 Copilot, 23.12.2025